"Ich kenn' ja nix von der, aber meine Freundinnen da hinten

würden echt gerne was von Helene Fischer hören."

Aus dem Alltag eines DJs -  Dezember 2017


Platte des Monats (2021)

Hier stelle ich in mehr oder weniger regelmäßig ein Schmuckstück aus meiner Sammlung vor. Wer bei den Kommentierungen zu den Platten weitestmögliche Objektivität erwartet, hat natürlich Pech gehabt. Ich bitte daher vorsichtshalber schon mal um Entschuldigung, sollte ich jemandes Lieblingskünstler unsachgemäß erwähnen. Ist fast nie ernst gemeint.

 

Unterstützt den lokalen Plattenhandel, z.B. das Plattenzimmer in Weingarten.

 

Die Platten des Monats der Vorjahre gibt's  auf den separaten Archivseiten (siehe die entsprechenden Untermenüpunkte). 


April 2021

El Flecha Negra, Tropikal Passport

Black Forrest Voodoo, D.L. B 25176-2017

 

Welcome, Vive tu vida, El capitán mantarraya, Una sonrisa, Tierra nativa, Freiburg girl, Mil perdones, Still Believe, Ritmo de negros, Arabdino, Cada uno sabe, Dónde aprieta el zapato, Ya era hora

 

 El Flecha Negra - Tropikal Passport (2017)

Eines fröhlichen Morgens latsche ich durch das sonnendurchflutete Staufen im Breisgau und höre eine Band namens El Flecha Negra auf der Straße spielen. Da kauf ich doch gleich mal 'ne CD. Und wie immer klingt die Musik auf „Tropikal Passport“ natürlich total anders als auf der Straße - aber trotzdem geil.  Als Herkunftsort steht hinten auf dem Album passenderweise „Made in World“, denn die Musiker von El Flecha Negra stammen aus Chile, Peru, Spanien und Deutschland. Sie liefern (Zitat vom Vermarkter Black-Forrest-Vodoo) "ein tanzbares und zugleich tiefgreifendes Statement, das südamerikanische Roots und karibische Leichtigkeit vereint.“ Besser kann man’s kaum ausdrücken - ich höre zusätzlich noch ungebremste Spielfreude, Ska und den Sommer raus. Tipps zum Reinhören: Welcome, El capitán mantarraya, Una sonrisa, Freiburg Girl, Ya era hora.

[Jochen Praefcke]



März 2021

Millie Jackson, Caught Up

SEW 003, Soutbound, Ace Record, 1974 

 

Side A: If loving you is wrong I don't want to be right, The rap, If loving ... (reprise), All i want is a fighting chance, I'm tired of hiding

Side B: It's all over but the shouting, It's easy going, I'm through trying to prove my love to you, Summer (the first time)

 

Millie Jackson, Still Caught Up

SEW 027, Soutbound, Ace Record, 1975 

 

Side A: Loving arms, Making the best of a bad situation, The memory of a wife, Tell her it's over 

Side B: Do what makes you satisfied, You can't stand the thought, Leftovers, I still love you (you still love me) 

 

 Millie Jackson

- Caught up (1974) & Still caught up (1975) -

Millie Jackson beleuchtet auf den beiden Konzeptalben Caught up und Still caught up jedwede Facette der Dreiecksbeziehung zwischen zwei Frauen und einem Mann. Jeweils eine Seite ist der gehörnten Ehefrau gewidmet, die jeweils andere der Geliebten. Auf Caught up geht auf Seite 1 die Geliebte in Vorleistung mit dem tiefdramatischen "If loving you is wrong I don’t want to be right" (allein der Titel!), um dann in "The Rap" die Vor- und Nachteile der Liebe zu einem anderweitig verheirateten Mann abzuwägen. Nachteil: Sie ist an Feiertagen allein, weil der Mann daheim bei der Familie hockt. Vorteil: Sie muss dem Kerl keine Wäsche waschen (hört’s Euch an, ich hab’s nicht erfunden)! Weiter geht’s mit dem kämpferischen (und tanzbaren) "All I want is a fighting chance".  Auf Seite 2 erkennt, um nur einen Song zu nennen, die Ehefrau realistischerweise an: "It’s all over but the shouting." Wir wechseln zur zweiten Platte und finden dieses Mal auf Seite 1 die Ehefrau, die mit "Making the best of a bad situation" mehr oder weniger kapituliert zu haben scheint und den Mann unmissverständlich auffordert: "Tell her it’s over".  Auf Seite 2 schlägt die Geliebte wiederum mit voller Wucht zurück mit dem besten Song und dramatischen Höhepunkt beider Platten: in "Leftovers" steht die Ehefrau samt Kind vor der Tür der Geliebten und will ihren Mann abholen - die Geliebte argumentiert vehement dagegen. Wie der Song von der erzählten Geschichte am Anfang in den gesungenen Teil übergeht, der Text ansich, der treibende Shuffle im Hintergrund, der Bläsersatz im Refrain und natürlich Millie Jacksons Stimme - mehr 70ies-Soul geht nicht! Zusammenfassend: die erste Platte ist insgesamt deutlich stärker als die zweite, auf der zweiten ist hingegen mit "Leftovers" ein absolutes Meisterwerk dabei. Ihr erkennt das Dilemma: man braucht beide Platten!

[Jochen Praefcke]



Februar 2021

Eamon, Golden Rail Motel

HAM-LP-1701, Huey Ave Music

 

Side A: Before I die, Be my girl, Lock me down, I got soul, Burn it up 

Side B: Mama don't cry, You and only you, Hands make me dance, Run, Requiem 

 Eamon

- Golden Rail Motel (2017) -

Durch einen Rechtsstreit mit seinem Plattenlabel bedingt, hatte Eamon bei Veröffentlichung seines Albums „Golden Rail Motel“ im Jahr 2017 eine rund 11-jährige Veröffentlichungspause hinter sich. Er hat die Zeit offenbar genutzt, um sich stilistisch überraschend breit aufzustellen - und er schafft es dabei dennoch, fast immer stilvoll zu bleiben. Eine wahre Wundertüte, diese Platte! Von Be my girl in feinster Philly Soul-Tradition, ultralegerem Hip Hop-Groove in Before I die (mach achte auf den geilen Gitarrenpart im Refrain) oder in Hands make you dance, über Reggae/Rocksteady in Burn it up bis hin zu 50ies-Jukebox-Sound in Run. Sehr geschmackvoll abgerundet wird das ganze durch durch klassischen Soul, und auch hier sehr facettenreich. Fürs Kuschel-Mixtape gibt's I got soul (fast schon mit Drainin’ von Lee Dorsey konkurrierend). Für den gediegenen Abend an der Bar gibt's You and only you welches stimmlich gekonnt zwischen Curtis Mayfield in den ultrahohen Passagen und Terence Trent d’Arby in den tieferen Passagen wechselt. Und zu guter Letzt wird mit Lock me down auch noch mitreißender Dancefloor-Soul geboten, bei dem spätestens beim Refrain kein Tanzbein stillstehen kann. So weit so gut, dann kommen wir mal zum „fast immer stilvoll“ … Eamon hat es sich nicht nehmen lassen, zwei ultrakitschige Klavierballaden mit auf die Scheibe zu packen. Wer auf die Bombastik eines gewissen Meat Loaf steht, der wird zumindest an Requiem wahrscheinlich Gefallen finden. Der zentralen Textzeile „Is this really real?“ ist bei dem Arrangement eine gewisse Ironie abzugewinnen. Bei Mama don’t cry brechen dann endgültig alle Dämme, was selbst einem hartgesotten dem Kitsch zugewandten Menschen wie mir zu viel ist. Wie das durch die geschmackliche Endabnahme kommen konnte, bleibt rätselhaft. Immerhin: Pluspunkte gibt’s für den sehr Heintje-esken Text. 

[Jochen Praefcke]



Januar 2021

Willie Bobo & The Bo-Gents, Do what you want to do

SXBS 7003, Sussex, 1971

 

Side A: Do what you want to do, Shut up and pay attention, Dindi, Come together, Soul Foo Yong 

Side B: Broasted or fried, The thrill is gone, How can I say goodbye, Never you mind 

 

Willie Bobo & The Bo-Gents

- Do what you want to do (1971) -

Der Percussionist William Correa, besser bekannt als Willie Bobo, hat 1971 mit den Bo-Gents das Album Do what you want to do veröffentlicht und uns ein über weite Strecken ganz besonders tanzbares Exemplar der Gattung Soul-Jazz-Funk-Instrumental-Musik geschenkt. Willie selbst hält sich mit der Percussion sehr dezent und elegant im Hintergrund. Dafür gibt's im Vordergrund Bläsersätze der groovigsten Sorte (hört in Do what you want to do oder Shut up and pay attention rein) oder lasziv-schrottige E-Gitarre, die sich nahtlos in den Soundtrack fragwürdiger Filmchen aus den 70er-Jahren einpassen ließe - zu hören in Come together (ursprünglich mal von den Beatles). Oder die für das Genre obligatorische Querflöte, zu hören in Never you mind.  Willie Bobo scheint einfach ein begnadeter Bandleader zu sein und nutzt, seiner Zeit rund 5 Jahre voraus, den AC/DC-Effekt aus: alles klingt gleich, aber es wäre auch eine herbe Enttäuschung, wenn dem nicht so wäre! Nun gut, abgesehen vom seichten Ausrutscher Dindi, einem der beiden Songs mit Gesang. Willies persönlicher Beitrag an der Percussion ist besonders bei Broasted or fried und beim oben bereits erwähnten Never you mind zu hören.

 

[Jochen Praefcke]



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