"Ich kenn' ja nix von der, aber meine Freundinnen da hinten

würden echt gerne was von Helene Fischer hören."

Aus dem Alltag eines DJs -  Dezember 2017


Platte des Monats (2020)

Hier stelle ich in mehr oder weniger regelmäßig ein Schmuckstück aus meiner Sammlung vor. Wer bei den Kommentierungen zu den Platten weitestmögliche Objektivität erwartet, hat natürlich Pech gehabt. Ich bitte daher vorsichtshalber schon mal um Entschuldigung, sollte ich jemandes Lieblingskünstler unsachgemäß erwähnen. Ist fast nie ernst gemeint.

 

Unterstützt den lokalen Plattenhandel, z.B. das Plattenzimmer in Weingarten.

 

NEU: Die Platten des Monats der Vorjahre gibt's ab sofort auf den separaten Archivseiten (z.B. hier für 2017 und hier für 2018 und hier für 2019). 


April 2020

Otis Clay, Try to live my live without you

Hi Records, FPH1331-1

Side A: Trying to live my life without you, I die a little each day, Holding on to a dying love, I can’t make it alone, That’s how it is

Side B: I love you I need you, You can't keep running from my love, Precious Precious, Home is where the heart is, Too many hands

 

 Otis Clay

- Try to live my life without you (1972) -

Beim Label Hi Records gibt es von jeher die besonders chillige Art von Soul-Musik - klingt alles irgendwie nach Barhocker mit Veloursbezug und Whiskey on the Rocks. Syl Johnson und Al Green veröffentlichten z.B. bei Hi Records, und eben auch Otis Clay, dessen Album „Trying to live my life without you“ (1972) heute vorgestellt wird. Die Stimme des Mannes ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Sein sexuelles und emotionales Selbstbewusstsein hingegen gar nicht. Und so geriet die Scheibe zu einer gigantischen Sammlung an herzzerreißenden Liebesliedern, deren Protagonist man getrost als Waschlappen bezeichnen kann: bitte, bitte, nimm mich zurück, ich kann ohne Dich nicht sein, ohne Dich ist alles sinnlos, bla bla bla. Ihr glaubt mir nicht? Hier eine Auswahl der Tracklist: Trying to live my life without you, I die a little each day, Holding on to a dying love, I can’t make it alone, That’s how it is, I love you I need you, You can’t keep running from my love.  Alles hervorragende Soul-Songs, die nur entstanden sind, weil vor Jahrmillionen ein gewisses Missverhältnis in der Anzahl der weibliche Eizellen zur Anzahl der männlichen Samenzellen angelegt wurde. Männer, falls ihr vorhabt, eine herzzerreißende Soul-Platte aufzunehmen: weiter so! Aus Lebenshilfesicht würde ich aber raten: besser nicht! 

[Jochen Praefcke]



März 2020

Take me to the river, Various Artist - Soundtrack

Side A: Ain't no sunshine, Wish I had answered, Push & Pull, If I should have bad luck

Side B: Trying to live my life without you, I forgot to be your lover, Be like me, Supposed to be, Walk away

 

 

 Various Artists/Soundtrack

- Take me to the river (2014) -

Auf dem Soundtrack zum Memphis-Soul Dokumentationsfilm „Take me to the river“ (2014) finden sich neun wunderbare, generations-übergreifende Kooperationen von Soul- und Hip Hop-Interpreten. Wer nun meint, hier wurden einfach die alten Klassiker verwurstet und gesampelt, der irrt gewaltig: die Leute waren tatsächlich zusammen im Studio und haben die Songs komplett neu eingespielt. Jetzt sind natürlich die Originalsongs schon sehr gut und bedürfen eigentlich gar keiner Neueinspielung, doch diese Neuinterpretationen sind trotzdem absolut hörenswert - schon allein, weil die Stimmen der Soul-Helden im Alter noch besser geworden und gänsehaut-gefährlicher geworden sind. Hört und schaut mal auf YouTube  wie Bobby Bland - kurzerhand im Rollstuhl ins Studio verfrachtet - mit Yo Gotti zusammen „Ain’t no sunshine“ interpretiert. Oder wie Otis Clay zusammen mit dem genialen Lil’ P-Nut zusammen seinen Klassiker „Trying to live my life without you“ unendlich groovy und mit Gute-Laune-Garantie neu einspielt (unbedingt den Teil von L’il P-Nut ab Minute 2:00 anhören!). Und die Bobby Rush-Nummer „Push& Pull“ zusammen mit Frayser Boy darf bei der nächsten Soul & Funk-Party sicher nicht fehlen. 

[Jochen Praefcke]



Februar 2020

The Reddings, The Awakening

Epic - 84767, Epic Records 

Side A: Remote Control, Funk' on the one, Come in out the rain, It's Friday night

Side B: The awakening Pt 1, I want it, Doin' it, Lady be my lovesong, The awakening Pt 2

 

 

 The Reddings

- The Awakening (1981) -

Wenn sich die Nachfahren bekannter Interpreten zusammentun, drängt sich der Verdacht auf, man wolle vom großen Namen zehren:  insbesondere wenn man sich auch noch wenig subtil The Reddings nennt und es sich um zwei Söhne des großen Otis Redding und deren Cousin handelt. Die drei  Jungs haben von 1980 bis 1988 ihr Disco-/Soul-/Funk-Unwesen getrieben, und siehe da: richtig geil - mit oder ohne großem Namen! Hier und heute soll das 1981-er Album The Awakening vorgestellt werden, auf dem mit Remote Control und Doin’ it zwei der bekannteren Songs enthalten sind. Das zauberhafte an der Platte ist die unglaublich gute (Tanz-)Laune, die sie förmlich versprüht: probiert es doch gleich mal mit Doin’t it und It’s Friday Night aus und dreht laut auf. Nicht wundern …  es handelt sich trotz akuter Verwechslungsgefahr tatsächlich um zwei verschiedene Songs.

[Jochen Praefcke]



Januar 2020

Sure Fire Soul Ensemble, Build Bridges

CLMN - 12024, Colemine Records, 2019

 

Side A: Aragon, El Nino, Sucker punch, Campus life, Costa blues

Side B: Build bridges, Roxy funk, Gloria's anthem, Backyard Boogie, Step up

 

(Alle Songs von der Playlist lassen sich problemlos auf YouTube finden.)

 

 

Sure Fire Soul Ensemble

- Build Bridges (2019) -

Anlässlich des fulminanten neuen Albums „Build  Bridges“ des Sure Fire Soul Ensembles soll hier und jetzt der landläufig unterschätzen Spezies des Soul & Funk Instrumentals gefrönt werden. Genau das nagelt Tim “Tito” Felten mit seinem 2012 gegründeten Ensemble nämlich in reinster Form in die Rille, dass es eine wahre Freude ist. Der Trick ist: Groove, Groove und nochmals Groove. Tim und seine Leute haben zugegebenermaßen einen reichen Schatz an groovy Vorbildern, und eine Auswahl der besten will ich Euch heute zum Reinhören anbieten. Keine Sorge, es ist total normal beim Reinhören mit dem tanzen anzufangen.

 

  • Zum Einstieg gibt’s erst mal zwei tolle Stücke vom eingangs erwähnten Album des Sure Fire Soul Ensembles: Aragon und Step up, erster und letzter Song des Albums.
  • Immer wieder gerne genommen für die Soul/Funk-Party: Willy Bobo mit Shut up and pay atttention.
  • Last night von den Mar-Keys besticht durch fast schon ironisch wirkende Monotonie.
  • Wo die Mar-Key sind, sind die Bar-Kays nicht weit: Soul Finger geht trotz geringfügigen Chorgesangs gerade noch so als Instrumental durch.
  • Zwar deutlich dem Blues zugehörig, aber dennoch auf Stax veröffentlicht und damit total zurecht in der Soul-/Funk-Playlist dabei: Little Sonny mit dem unendlich coolen The creeper returns.
  • Die legendären Booker T. & the MGs ... welchen Song soll man denn da nur aussuchen …  das tendenziell allseits bekannte Green Onions ist eine sichere Bank. Weniger geläufig, aber auch geil: das Jimi Hendrix-Cover Foxy Lady und der Western-Klassiker Hang 'em High - letzteres zwar weniger tanzbar, aber dafür mit extrem stilsicherem Hammond-Orgel-Sound! 
  • Lou Toby and His Heavies mischen im Funk-Instrumental Heavy Steppin’ gekonnt ein paar allseits bekannte Soul/Funk-Klassiker zu einem neuen Dancefloor-Kracher zusammen.
  • Zum Abschluss noch was bekannteres: die Average White Band mit Pick up the pieces. Very groovy, indeed!

[Jochen Praefcke]



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